Das Florettfechten ...

... wird mit der leichtesten der drei üblichen Sportwaffen betrieben, was sich jedoch lediglich auf das Gewicht, nicht aber auf die Technik bezieht. Im Gegenteil: Das Florettfechten, und dabei speziell das der Herren, wird oft und gern als die "Königsdisziplin" bezeichnet - besonders gern übrigens von den männlichen Florettfechtern selbst.

Historisch gesehen entstammt das Florett dem französischen Kulturkreis des 17. Jahrhunderts, als die Französische Schule begann, die bis dahin vorherrschende Italienische immer mehr zu verdrängen. Doch bereits 1570 prägte der Franzose Henri Saint-Didier die meisten Fachausdrücke des Fechtens, die sich bis heute erhalten haben.

Anders als der Säbel und der Degen ist das Florett niemals eine echte Waffe "auf Leben und Tod" gewesen. Ihm fehlt also die gewisse blutrünstige Tradition als Militär- oder Duellgerät. Einer Quelle zufolge lässt sich das französische Wort für Florett daher ableiten, dass man dem scharfen Degen zu Übungszwecken eine stumpfe "Knospe" (frz. fleuret) überstülpte, also in etwa so wie bei den heutigen mechanischen Waffen, die wir bei unserem Anfängertraining verwenden. Auch der englische Begriff für das Florett lässt noch Rückschlüsse auf die Modifizierung und Entschärfung der "echten" zu Übungswaffen zu: Hierbei wurde wahrscheinlich die Klinge mit einer Folie (engl. foil) umwickelt, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren.

FlorettDas heutige im Sportfechten gebräuchliche Florett besitzt eine biegsame Klinge mit quadratischem Querschnitt. Die Glocke, also der Handschutz, ist rund und tellerartig geformt und im Vergleich mit der des Degens bedeutend kleiner. Dies kommt daher, dass beim Degen die Hand als Bestandteil der gültigen Trefferfläche geschützt werden muss - beim Florett hingegen besteht diese Notwendigkeit nicht. Anders als beim Säbel hat der Florettfechter die "Qual der Wahl" zwischen unterschiedlichen Griffvarianten: Neben dem stabähnlichen französischen Griff gibt es auch den weniger gebräuchlichen italienischen sowie den orthopädischen bzw. Pistolengriff, der - auch beim Degen - am häufigsten Verwendung findet.

Die Degentreffer-Maxime "Immer und überall" gilt für das Florettfechten nicht: Weder kann man den Gegner beliebig am ganzen Körper gültig treffen, noch darf man jederzeit mit in einen Angriff hineinstoßen, um beispielsweise einen Doppeltreffer zu erzielen. Diesen gibt es schließlich nur beim Degen - Säbel und Florett hingegen sind "konventionelle" Waffen, d.h. sie folgen einem vorgeschriebenem Ablauf hinsichtlich der Rechte und Pflichten von Angreifer und Verteidiger. Die Tatsache, dass im Florettfechten jeder entsprechend dem Reglement ausgeführte Angriff zunächst abgewehrt werden muss, bevor der Angegriffene selbst das Recht zum Angriff erhält, verlangt vom Fechter, dass er einen korrekten Angriff von einem unkorrekten unterscheiden kann und selbst weiß, wie er sich entsprechend zu verhalten hat.

FlorettfechterDie gültige Trefffläche beim Florettfechten wird durch die Elektro-Weste gekennzeichnet: Im Gegensatz zum Degenfechten, bei dem - gemäß eines realistischen Duellgedankens - der gesamte Körper als Trefferfläche gilt, existiert beim Florettfechten eine Begrenzung auf den Torso, d.h. auf den Oberkörper mit Vorder- und Rückseite. Die Gliedmaßen und der Kopf sind davon ausgenommen. Während beim Degenfechten ein Treffer mit einer Äquivalenz von 750 g auf der gegnerischen Fläche aufkommen muss, um angezeigt zu werden, reicht beim Florett ein Gewicht von 500 g aus (das heißt: etwas weniger blaue Flecken ...).

Der äußerst dynamische und bewegungsintensive Verlauf des Florettkampfes stellt hohe Anforderungen an die technischen Fertigkeiten des Fechters, da sich die Kampfbedingungen und -situationen ständig ändern. Eine tiefe, elastische Fechtstellung und ein etwas stärker gebeugter Waffenarm (als beim Degenfechten) erhöhen die dazu notwendige Manövrierfähigkeit. Die Ausfalltiefe ist sehr variabel und setzt eine besondere Beweglichkeit im Hüftgelenk voraus.

In der Regel wird ein erfolgreicher Florettfechter einfache und übersichtliche Handlungen bevorzugen, die bewusst vorbereitet und in der Endphase entschlossen und konsequent durchgeführt werden. Die Handlungsabfolge ist dabei sehr kurz: Dem Angriff folgen Antwort- bzw. Gegenangriff oder Angriffe zweiter Absicht, denen in der Regel höchstens noch zwei strategische Grundelemente folgen, welche dann die Gefechtsphase auch schon wieder beenden. Wird dabei das Gefecht nicht durch gültige bzw. ungültige Treffer oder durch Entscheidungen des Obmanns unterbrochen, beginnen die Fechter erneut zu manövrieren. Darin unterscheidet sich das Florettfechten auffallend vom mehr taktierenden und auskundschaftenden Degenkampf, der oftmals - gerade bei (weiblichen) Anfängern - von unendlich erscheinendem Klingenspiel gekennzeichnet ist. (Herzlose Florettfechter würden das defensive "Hinhalten" der Degenfechter vermutlich gern als Geplänkel bezeichnen.)

Bei ganz exakter Auslegung der Konventionen ist es übrigens schwierig, mit dem Angriff erfolgreich zu sein, denn der vorgeschriebene gestreckte Waffenarm des Angreifers kann dabei relativ einfach durch den Verteidiger kontrolliert werden. Schon ein erfolgreicher Klingenschlag genügt, um dem Angreifer sein Angriffsrecht abzunehmen. Da dies sehr häufig mit einer gezielten Verkürzung der Mensur (= Abstand zwischen den Fechtern) einhergeht, ist der Misserfolg für den Angreifer vorprogrammiert. Um dies zu vermeiden, praktizieren viele Fechter einen Angriff, der ohne Streckung des Arms durchgeführt wird und der demzufolge - genau genommen - nicht dem Reglement entspricht. Wenn dies gleichzeitig mit hohem körperlichen Einsatz und einer starken Beschleunigung der Angriffsgeschwindigkeit verbunden wird, kommen manche Kampfleiter in Schwierigkeiten, korrekt zu entscheiden.

Die Trainingstendenzen im modernen Fechtsport haben nicht zuletzt deutliche physische Leistungssteigerungen der Athleten mit sich gebracht. Insbesondere die enorme Verbesserung von Schnelligkeit und Kraft sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Fechtern ermöglichte die Entwicklung völlig neuer Techniken. Gleichzeitig erhöhte sich die Durchschlagskraft des Angriffs so enorm, dass in der Folge ein empfindliches Ungleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung entstand. Die dadurch existierenden Vorteile für den Angreifer sind noch zusätzlich verstärkt worden, weil die Warnung bei Erreichen des "letzten Meters" weggefallen ist. Einen wesentlichen Einfluss hat auch die Entwickung des Schnippstoßes ("Bingo") gehabt, der die Wirksamkeit konkreter Paraden erheblich einschränkte und nach neuen Antworten verlangte.

Um wieder ein ausgewogenes Chancenverhältnis zwischen Angriff und Verteidigung zu erreichen und die Einhaltung der Konventionen zu unterstützen, hat die F.I.E. 2003 einen Beschluss gefasst, der mit Beginn der Saison 2004/05 umgesetzt worden ist. Vorgeschrieben ist seitdem die Verkürzung der Blockadezeit, also die Reduzierung der möglichen Doppeltrefferzeit, von vorher 750 ms auf 300 ms sowie die Erhöhung der Kontaktzeit (impact) auf 15 ms (vorher 1-5 ms). Diese einschneidende Neuerung im Florettfechten hat u.a. die Technik des "Schnippstoßes" weitgehend obsolet werden lassen.

Praktisch bedeutet dies, dass seit dem 1. Oktober 2004 alle Veranstalter von DFB-Q-Turnieren und Deutschen Meisterschaften ab der A-Jugend verpflichtet sind, die oben genannten Bedingungen mindestens ab dem Viertelfinale des jeweiligen Turniers durch entsprechend ausgerüstete Melder sicherzustellen. Ab der Saison 2005/06 haben bei diesen Turnieren alle Apparate den Bedingungen zu entsprechen. Für Ausrichter von JWC- und WC-Turnieren gilt ebenfalls bereits seit dem 1.10.2004, dass alle verwendeten Meldegeräte den neuen Anforderungen entsprechen müssen.