Eine kurze Geschichte des (Sport-)Fechtens ...

Als der Mensch sich vor langer Zeit zwecks Fortbewegung auf zwei Beine erhob, tat er dies, um die Hände für andere Dinge frei zu haben: um zu essen, sich in der Nase zu bohren, zu telefonieren ... und natürlich auch, um sich den erstbesten Stock zu greifen und mit diesem auf einen Rivalen einzuschlagen. Als der Nebenbuhler dann ebenfalls zu einer geeigneten Waffe griff, um sich zu wehren, war das Fechten im Prinzip geboren ...

Der bewaffnete Zweikampf ist also mit Sicherheit so alt wie die Menschheit selbst, diente aber vorerst allein der Auseinandersetzung in kriegerischer Absicht. Die Wurzeln des Fechten als (Kampf-)Sport, also zur Körperertüchtigung ohne das vorrangige Ziel zu töten, sind im antiken Rom zu finden: Unter der Leitung von Fechtmeistern, den armaturae doctores, entstanden Fechtschulen zur Ausbildung von Gladiatoren, die zur Unterhaltung der Zuschauer Schaukämpfe austrugen.

Mittelalter:

Im Mittelalter war das Schwert eine Angriffswaffe, die zum Aufbrechen der Rüstung des Gegners diente. Zum eigenen Schutz vor Schwerthieben führte man in der anderen Hand den Schild als Defensivelement. Doch neben dem Ernstfall, also dem Einsatz in der Schlacht, existierten auch im Mittelalter Kampfspiele, die einerseits der Übung mit der Waffe, andererseits aber auch schon der Unterhaltung von Publikum dienten. (Dass auch diese Vorführungen oftmals blutig oder gar mit dem Tod eines Kontrahenten endeten, tat dem Unterhaltungswert schließlich keinen Abbruch.)

Bereits im 12. Jahrhundert wurden diese "Spiele" mit einem festen Regelwerk versehen: Das Turnierwesen war entstanden. Fand dies zuerst noch in Form von Massenkämpfen statt, setzte sich im 13. Jahrhundert endgültig der Zweikampf mit Lanze und Schwert durch. Ab dem Hochmittelalter entwickelte sich das Turnier zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil des höfisch-ritterlichen Lebens und seiner Veranstaltungen und verlor damit gleichzeitig immer mehr seinen Charakter als militärische Übung.

Im späten Mittelalter bildeten sich abseits der Fürstenhöfe auch städtische Turniergesellschaften, die als Veranstalter von Wettkämpfen auftraten. Hier allerdings war von "ritterlichen Tugenden" wenig zu spüren, denn die Kämpfe folgten kaum irgendeinem Reglement: Entscheidend waren allein das Material und die Kraft der Kombattanten. Gern wurde auch mal das Schwert verkehrt herum gehalten, um dem Gegner den mächtigen Knauf über den Kopf zu ziehen. Im Gegenzug hoffte man, dass die eigene Rüstung solchen Belastungen irgendwie gewachsen sein würde ...

 

Frühe Neuzeit:

Gegen Ende des Mittelalters hatten neue leichte Waffen und eine raffiniertere Fechtkunst die schweren Anderthalbhänder, Dussacks und die gewaltigen Rüstungen verdrängt. Im 16. Jahrhundert führte man in Italien das schlanke Rapier ein. Überall im Land wurde die neue, elegante Kunst des Fechtens systematisch an besonderen Schulen gelehrt. Führte man die Kampfwaffe in der rechten Hand, so hielt man zusätzlich in der linken einen Dolch, später einen gefalteten Mantel, der in der Abwehr den mittelalterlichen Schild ersetzte. Schließlich ließ man den linken Arm ganz frei, doch die vorschriftsmäßige Haltung des waffenfreien Arms im modernen Sportfechten erinnert noch heute an diese Anfänge.

Das Rapier und der italienische Fechtstil wurden in Europa sehr beliebt, besonders in Frankreich und England. Doch weil diese Waffe aufgrund ihrer Länge stets etwas unhandlich war, ließen die praktischen Franzosen sich etwas Neues einfallen und erfanden im 18. Jahrhundert den Degen in Form eines Kurzschwerts. Die neue Waffe verbreitete sich rasch und führte zu deutlichen Unterschieden zwischen dem italienischen und französischen Fechtstil: Während die Italiener mit ihrem Rapier spektakuläre und heftige Aktionen bevorzugten, gingen die Franzosen mit dem Degen elegant und mit möglichst sparsamen Bewegungen um. Durchsetzen konnte sich später eindeutig der französische Stil: Seine Regeln gelten bis heute für die meisten Wettkämpfe, und das Vokabular des Fechtens besteht hauptsächlich aus französischen Begriffen.

 

19. Jahrhundert:

War die galante Epoche des 18. Jahrhunderts noch eine Blütezeit des Duells gewesen, so wurde dies im 19. Jahrhundert allgemein offiziell verboten. Fechten entwickelte sich immer mehr zu einer echten Sportart, die - möglichst unblutig - zur Leibesübung gepflegt und betrieben wurde. Die Vorläufer unserer heutigen Fechtausrüstung entstammen zu einem großen Teil dieser Zeit, so z.B. der Handschuh, der an der Waffenhand getragen wird, der Plastron als Unterziehweste zum Schutz des Oberkörpers sowie die Maske aus Drahtgeflecht.

In Deutschland wurden nun die ersten Fechtvereine gegründet: an der Spitze der Fechtklub Hannover von 1862, dem bald darauf Vereinigungen in Köln, Offenbach und Frankfurt folgten. Ab 1870 kamen Mönchengladbach, Mainz und Wiesbaden hinzu. Gefochten wurde noch mit "schweren Waffen"; die modernen "leichten Waffen" wurden erst in den 80er Jahren des Jahrhunderts erprobt und ab 1888 zum erstem Mal bei Wettkämpfen zugelassen.

Die allgemeine Begeisterung für das Fechten machte eine Ordnung des Sport- und Wettkampfbetriebs unerlässlich. 1897 gründete sich zu diesem Zweck als Dachverband ein Deutscher Fechterbund als Vorläufer des heutigen DFB mit insgesamt 27 Mitgliedsvereinen und 1282 Mitgliedern. In den Jahren 1896 bis 1899 wurden - vermutlich unter seiner Führung - "Deutsche Meisterschaften" in drei Waffen ausgetragen, das Florettfechten darunter übrigens in vorgeschriebener fester Mensur. In den ersten beiden Meisterschaftsjahren kam zusätzlich der "schwere Säbel" als Turnierwaffe hinzu. 1901 jedoch löste sich dieser erste, noch junge Deutsche Fechterbund bereits wieder auf.

Mit Aufkommen eines internationalen Turnierbetriebs wurde eine Anpassung der italienischen und französischen Sportwaffen ebenso notwendig wie allgemein gültige Regelungen hinsichtlich der Gefechtsleitung und der Bewertung von Aktionen. Die Olympischen Spiele von Athen 1896 dürfen in diesem Sinne als erste weltweite Fechtveranstaltung angesehen werden. Vier Jahre später in Paris wurden die Wettbewerbe dann bereits getrennt für Amateure und Fechtmeister ausgetragen. Aber es war noch ein langer Weg zu einer verbindlichen Ordnung: So wurde beispielsweise 1908 bei der Olympiade in London der Wettbewerb im Florettfechten abgesagt, weil man sich nicht auf Regeln für das Treffvorrecht einigen konnte. Und auch 1912 kam es in Stockholm bei der Säbelkonkurrenz wegen unterschiedlicher Regelauslegungen zu heftigen Auseinandersetzungen.

 

Moderne:

Am 17. Dezember 1911 schlug in Frankfurt am Main die Geburtsstunde unseres heutigen Deutschen Fechter-Bundes. Sein Zweck bestand in der Vereinigung der deutschen Fechtverbände, -vereine und Einzelfechter unter einem Dachverband sowie in der Vertretung deutscher Interessen bei internationalen Veranstaltungen durch Entsendung von Fechtern und Schiedsrichtern. Damit entsprach man vor allem den Anliegen der aktiven Fechter, bei internationalen Turnieren durch Verbandsfunktionäre unterstützt zu werden. Bis heute hat sich an diesen Aufgaben im wesentlichen nichts geändert.

In dieser Zeit emanzipierten sich auch die Frauen: Ihnen gelang zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf breiter Ebene der Schritt zum ernsthaften Kampfsport, und in Dresden fand im Gründungsjahr des DFB 1911 das erste Damenturnier statt. Allerdings wurde die Konkurrenz nur im Florett ausgetragen - woran sich auch viele Jahrzehnte lang nichts änderte.

1913 wurde in Paris der Weltverband F.I.E. gegründet, dem zu verdanken ist, dass heute Gefechte nach einem weltweit anerkannten Reglement geleitet und beurteilt werden. Die ersten Weltmeisterschaften wurden im Jahre 1921 ausgetragen. Zwischen 1921 und 1935 galten olympische Fechtturniere gleichzeitig auch als Weltmeisterschaften.

Das Florettfechten der Frauen wurde erstmals 1920 in Antwerpen ins olympische Programm aufgenommen. Erst 1996 folgten in Atlanta die ersten Ausscheidungen im Damendegen, obgleich diese Waffe selbstverständlich längst auf nationalen und internationalen Turnieren gefochten wurde. Als letzte der drei Waffen feierte schließlich 2004 in Athen auch der Säbel für Frauen sein Debüt bei Olympischen Spielen.Helene Mayer (1910-1953), Olympiasiegerin Amsterdam 1928