Das Säbelfechten ...

... hat seinen Ursprung in einem uns eher etwas fremden Kulturkreis, denn vermutlich erst durch die Eroberungskriege des osmanischen Reichs kam auch das Abendland mit dem Krummschwert, dem Seymitar, in Berührung. Aus diesem entwickelte sich mit der Zeit der Militärsäbel des 19. Jahrhunderts, indem das markanteste Kennzeichen, die flache und gebogene Klinge, übernommen wurde.

Der schwere Säbel verdrängte daraufhin schnell den leichteren Degen als Heereswaffe, während dieser jedoch die Waffe der Offiziere und des Adels blieb. In Italien und Frankreich blieb das Säbelfechten weitgehend unbedeutend, doch in Deutschland wurde es so begeistert aufgegriffen, dass hier im gesamten 19. Jahrhundert eifrigst die schwere Waffe geschwungen wurde. Einen Stich zu führen galt dabei als unehrenhaft, und so fristete das Stichfechten zu dieser Zeit ein recht kümmerliches Dasein in Deutschland, während das Hiebfechten stark begünstigt wurde.

SäbelEnde des 19. Jahrhunderts wurde dann - seltsamerweise ausgerechnet im italienischen Mailand - die "scuola magistrale" gegründet. An dieser Fechtschule sollte das für das Militär wichtige Hiebfechten vereinheitlicht werden. Der milanesische Fechtmeister Giuseppe Radaelli erkannte hier, dass ein wirksames Fechten auf den Stich nicht verzichten kann: Er sah den schweren Säbel als unbrauchbar an und veränderte ihn derart, dass daraus im wesentlichen der Vorläufer unseres Sportsäbels entstand.

Der heute gebräuchliche Sportsäbel ist somit der auffallenden Krümmung und Breite der Klinge verlustig gegangen. Er ist eine Hieb- und Stoßwaffe, d.h. Treffer können sowohl mit der Klingenspitze als auch mit der Schneide gesetzt werden. Im Gegensatz zu Florett und Degen verfügt die Säbelklinge nicht über eine Spitze mit beweglichem Kopf. Das bedeutet, dass kein bestimmter Druck notwendig ist und selbst bei der geringsten Berührung bereits ein gültiger Treffer angezeigt wird.

Während es bei den beiden anderen Waffen unterschiedliche Griffvarianten gibt, existiert beim Säbel lediglich eine stabförmige, nicht "orthopädische" Form, die dem so genannten französischen Griff ähnlich ist. Auch die Säbelglocke ist anders geschnitten: Noch stark an ihre historischen Vorläufer erinnernd ist sie bügelförmig um die Hand nach unten herumgezogen, um die Waffenhand vor gezielten Angriffshieben zu schützen. (Wer seine Waffenhand schon mal zu stark gedreht und dadurch einen netten Hieb auf die Finger kassiert hat, weiß, wozu dieser Bügel gut ist ...)

Die gültige Trefferfläche ist der gesamter Oberkörper inklusive Kopf und Arme, wobei allerdings - im Gegensatz zum Florett - eine horizontale Linie in Hüfthöhe die Trefffläche nach unten begrenzt.

Das Fechten mit dem Säbel ist in der Regel noch temporeicher als mit dem Florett. Treffer fallen oft schon nach wenigen Sekunden. Und wie beim Florett gibt es auch beim Säbel Angriffsrecht und Verteidigungspflicht in der Bewertung von gültigen Treffern. Damit unterscheiden sich diese beiden "konventionellen" Waffen vom Degen.

Die jüngste Geschichte des Säbelfechtens, seit ungefähr Ende der 80er Jahre, ist von einigen bedeutsamen Änderungen geprägt: Nach Jahrzehnten mechanischen Fechtens mit Beurteilung gültiger Treffer durch zusätzliche vier Seitenrichter wurde auch beim Säbel - als letzte der drei Sportwaffen - die elektrische Trefferanzeige eingeführt. Die dem Säbelfechten innewohnende Dynamik wurde durch die neuerworbene Unabhängigkeit von subjektiven Seitenrichterentscheidungen weiter gesteigert, da schnell ausgeführte Hiebe trotz Klingenkontakt nun angezeigt wurden und zu gültigen Treffern führen konnten.

Man muss allerdings gestehen, dass sich das elektrische Fechten nicht uneingeschränkt positiv auf die Entwicklung des Stils ausgewirkt hat. Die Säbelfechter beispielsweise nutzten rasch die in der Folge der neuen Bedingungen entstandenen Möglichkeiten und verzichteten oftmals weitgehend auf die traditionelle Beinarbeit. Der sprintende "wilde Stier" auf der Fechtbahn, der seinen Vorteil allein durch Schnelligkeit und "Drauflosrennen" suchte, wurde leider vielfach zur Regel.

Mitte der 90er Jahre besann man sich angesichts des galoppierenden Verlusts an ästhetischer und technischer Attraktivität des Säbelfechtens eines Besseren und schrieb im Reglement die Begrenzung auf die klassischen, konventionellen Elemente zwingend fest. Das Verbot von Flèche und Kreuzschritt (in der Vorwärtsbewegung) führte zu einer Rückbesinnung auf die Ausbildung der anspruchsvollen taktischen und technischen Feinheiten, sicherte eine Verbesserung der Chancengleichheit für den Verteidiger und machte damit das Säbelfechten zu einer von Temporeichtum geprägten Disziplin, in der attraktive Handlungsfolgen wieder möglich wurden.

Diese dynamische Kampfführung fordert vom Säbelfechter ein erhöhtes Maß an Fähigkeiten und Fertigkeiten, um schnell von einem Element zu anderen umzuschalten, denn Angriffs- und Verteidigungshandlungen wechseln einander blitzartig ab. Schnelle Mensuränderungen, bei denen z.B. von einem soeben beginnenden Ausfall zum Schritt vorwärts oder aus einem Schritt rückwärts in einen schnellen Ausfall umgeschaltet werden muss, charakterisieren die Beinarbeit ebenso wie eine deutlich erhöhte Frequenz.

Eine weitere wichtige Weiterentwicklung im Säbelfechten ist die Aufnahme des Damensäbels in die nationalen und internationalen Wettkampfprogramme. Bei den Weltmeisterschaften 1998 wurde Damensäbel erstmals als Demonstrationskwettkampf erfolgreich durchgeführt. Damit ist es den Frauen gelungen, auch die letzte Domäne der Männer im Fechtsport zu "knacken". Damensäbel wurde mit der Saison 1998/99 in den offiziellen Wettkampfkalender der F.I.E. aufgenommen und bei den Spielen von Athen 2004 zum ersten Mal auch olympisch ausgetragen.